Samstag, 10. November 2012

Suchen für den Umweltschutz „Öko-Suchmaschinen“

Thema:

Internet, Öko, Suchmaschinen, Umweltschutz: Zusammenhänge zwischen Internetsuche und Umweltschutz.

Es gibt Zusammenhänge, die einem nicht sofort klar sind und deren Logik sich einem anfänglich nicht erschließt. Aber liegt es nicht auf der Hand, dass „grünes Suchen“ nur mit dem aus der Kindheit bekannten Suchspiel „Ich sehe was, was Du nicht siehst“ zu tun haben kann? Natürlich nicht, denn damit ist die Suche im Internet gemeint, die beispielsweise mithilfe von "Ökostrom" betriebenen Servern und Computernetzwerken möglich ist und die den weltweiten CO2-Ausstoß verringern soll.

Es ist ja wohl kein Geheimnis, dass Computer nur mit Strom betrieben wirklich funktionieren. Aber woher kommt dieser dringend notwendige Strom, wie wurde er hergestellt, stammt er aus „erneuerbaren Energien“? Genau an diesem Punkt setzen die Betreiber von „grünen“ oder auch „Öko-Suchmaschinen“ an, denn eine Suche ist nun einmal mit Energieverbrauch und damit indirekt mit dem Freisetzen von Kohlendioxid verbunden. Gemeint sind im Übrigen nicht die Suchmaschinen über die ausschließlich ökologische Themen und „grüne Unternehmen“ gefunden werden können, sondern die, welche wie Google, Bing, Yahoo und Co eine allgemeine Suche anbieten.

Nach Schätzungen von Siegfried Behrendt vom Berliner Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT) muss davon ausgegangen werden, dass derzeit eine einzige Suchanfrage bei Google, abhängig vom Standort und der genutzten Netzinfrastruktur, durchschnittlich 4-10 Watt Leistung benötigt, was einem CO2-Ausstoß von ca. 2-6 Gramm entspricht. Bedenkt man, dass pro Tag weltweit über 3 Milliarden Suchanfragen gestellt werden, kann einem schwindelig werden, wie hoch die Umweltbelastung allein durch die Suche im Internet ist. Geht man nämlich von einem Mittelwert von 4 Gramm CO2-Ausstoß pro Suchanfrage aus, kommt man auf 12000 Tonnen täglich. Auch praktische Vergleiche führen einem vor Augen, wie viel Energie benötigt wird, um die Eingabe eines Suchbegriffes abzuarbeiten. So wird gesagt, dass man pro Suchanfrage eine Energiesparlampe eine Stunde lang betreiben oder eine Tasse Tee mit einem Wasserkocher erhitzen könnte.

Was bieten nun die „Öko-Suchmaschinen und was steckt dahinter? Es gibt einige wichtige Unterschiede zu beachten, denn nicht jeder dieser Anbieter nutzt für die eigenen Server und Netzwerkinfrastruktur dabei auch „Ökostrom“ aus Sonnenenergie, Wind- oder Wasserkraft. Einige setzen auf alternative Strategien, um den weltweiten CO2-Ausstoß zu begrenzen. Die Palette reicht dabei von innovativen und scheinbar sinnvollen Angeboten bis hin zu absurden Lösungsansätzen. Auch wenn die von den Betreibern propagierten positiven Auswirkungen auf die Umwelt einer strengen kritischen Beurteilung zum Teil nicht standhalten können, wäre es dennoch unfair diesen Artikel den negativen Details zu widmen, die jedoch nicht unerwähnt bleiben.

Server mit Ökostrom
Die Nutzung von „Erneuerbarer Energie“ ist die konsequenteste Lösung, weil sie unmittelbar zur Verringerung des Klima-Killers CO2 beiträgt und die damit gespeisten Server und Computer klimaneutral arbeiten. Selbst wenn nicht zu 100% „grüner Strom“ genutzt wird, ist das Emissions-Einsparpotenzial enorm. Die Schwierigkeit liegt eher bei der Auswahl des richtigen Stromanbieters, denn auch wenn einige behaupten ausschließlich „Ökostrom“ zu liefern, darf ein gewisser Anteil des „grünen Stroms“ aus Kern- oder Kohlekraftwerken stammen. Das liegt unter anderem daran, dass der Begriff „Ökostrom“ durch die aktuelle Gesetzgebung nicht eindeutig geregelt wird und die Verstrickungen der Unternehmen untereinander undurchschaubar sind.

Ankauf von Umweltzertifikaten
Ein weiteres Konzept ist der Ankauf von „Zertifikaten für erneuerbare Energien“, um den eigenen Stromverbrauch aus konventionell gewonnener Energie in gleichem Maße auszugleichen. Dabei werden die CO2-Emissionen anhand des Energieverbrauchs statistisch ermittelt und sowohl die Server für die Darstellung der Suchergebnisse, die Server für die Berechnung der Suchanfragen, die gesamte Netzwerkinfrastruktur als auch die Endgeräte der Nutzer miteinbezogen. Allerdings ist generell der Handel mit Umweltzertifikaten kritisch zu sehen und wird daher zurzeit auch kontrovers diskutiert. Nicht selten wird er als moderner Ablasshandel bezeichnet. Hinzu kommt, dass die meisten „Öko-Suchmaschinen“ ihre Suchanfragen von einer Partnersuchmaschine wie Google oder Yahoo berechnen lassen und dadurch, nach aktuellen Schätzungen von Fachleuten, sogar 60% mehr Energie verbraucht wird, die nicht im vollen Umfang mit den Zertifikaten abgegolten wird. So kommt natürlich der Verdacht auf, dass es energiesparender wäre weiterhin direkt bei Google oder Yahoo zu suchen. Es ist also fraglich, ob bei dieser Strategie wirklich zukunftsorientiert gehandelt wird.

Spenden durch Werbeeinnahmen
Das Spendenkonzept funktioniert über „gesponserte Links“ auf den Ergebnisseiten der Suchmaschine. Für jeden „Klick“ auf einen solchen Link zahlt ein dort werbendes Unternehmen einige Cent an das Suchportal oder die Partnersuchmaschine, über welche die Suchanfragen berechnet werden. Die so erwirtschafteten überschüssigen Einnahmen werden daraufhin entweder ganz oder zum großen Teil Umweltschutzorganisationen zur Verfügung gestellt, die sie für die Rettung und Aufforstung der Regenwälder einsetzen. Da Bäume in der Lage sind der Atmosphäre CO2 zu entziehen, soll dieses Prinzip die Umwelt entlasten und die Nutzung des Stroms aus Kohle- und Kernkraftwerken ausgleichen. Die Aufforstung von Wäldern unter der Prämisse den Klimawandel bremsen zu wollen wird allerdings von Biologen und Umweltschützern in Frage gestellt, obwohl natürlich sinnvoll, sind die zeitlichen Dimensionen viel zu groß, bevor sich ein positiver Effekt einstellen kann. Die Erhaltung der Wälder ist dagegen sehr wirkungsvoll und steht wohl auch außer Frage.

Gigablast
Eine der mittlerweile bedeutendsten, unabhängigen „grünen Suchmaschinen“ die schon seit 2002 ihre Dienste anbietet ist das US-amerikanische Unternehmen „Gigablast“. Gründer Matt Wells begann mit der Programmierung des Suchportals bereits im Jahr 2000 und entwickelte es seitdem stetig weiter. Er konzipierte die Suchmaschine von Anfang an als sehr kostengünstig und effizient. Sie soll in der Lage sein 200 Milliarden Internetseiten zu indexieren und tausende von Anfragen pro Sekunde zu verarbeiten. Der Stromverbrauch von Gigablast wird nach eigenen Angaben zu 90% aus Windenergie gedeckt und ist mit über 10 Millionen Anfragen pro Tag absoluter Marktführer im Bereich alternativer Suchmaschinen.


Ecosia
Das deutsche Suchportal Ecosia ging 2009 online und wird von „Bing“ und „Yahoo“ unterstützt. Bing stellt dabei die Suchergebnisse und Yahoo die Suchanzeigen (Werbeanzeigen in Textform) zur Verfügung. Nach Angaben des Gründers Christian Kroll werden die Server zu 100% mit Ökostrom aus Wasserkraft betrieben. Hinzu kommt, dass mindestens 80% der Werbeeinnahmen mithilfe von „gesponserten Links“ für den Schutz der Regenwälder eingesetzt wird. Im Fall von Ecosia werden die Werbeeinnahmen zuerst von den Partnersuchmaschinen abgerechnet, bevor ein nicht unerheblicher Anteil der Einnahmen an Ecosia zurückfließt.

Znout
Die deutsche Suchmaschine „Znout“, deren Name für „zero negative output“ steht und zu Deutsch in etwa „kein negativer Ausstoß“ bedeutet, wurde ebenfalls von Christian Kroll gegründet. Ebenso durch Werbung finanziert, nutzt Znout keinen „Ökostrom“, sondern gleicht die anfallenden CO2-Emissionen durch den Ankauf von Umweltzertifikaten für erneuerbare Energien aus. Für die statistischen Erhebungen bezüglich des CO2-Ausstoßes wird ein unabhängiger Partner namens „CO2Stats“ herangezogen. Wie das genau funktioniert bleibt allerdings im Dunkeln und muss zumindest hinterfragt werden. Besonders weil „CO2Stats“ selbst keine näheren Informationen über die genaue Vorgehensweise preisgibt.


Forestle
Die dritte von Christian Kroll ins Leben gerufene Suchmaschine „Forestle“, abgeleitet aus dem englischen Wort „Forest“ (Wald), nahm 2008 ihren Betrieb auf. Auch dieses Projekt funktioniert über „gesponserte Links“ und wird somit durch Werbeeinnahmen finanziert, die durch Textanzeigen von „Yahoo“ erwirtschaftet werden. Obwohl sie noch immer über die entsprechende Domainadresse erreichbar ist, werden seit 2011 alle Suchanfragen an Ecosia weitergeleitet. Das Suchportal versteht sich als „unabhängiges nicht-profitierendes“ Unternehmen, welches sämtliche Überschüsse an eine Partnerorganisation namens „The Nature Conservancy“ spendet, um damit zum nachhaltigen Schutz der Regenwälder beizutragen.

Treehoo
An dieser Stelle sollte eigentlich auch über die im Jahr 2008 gegründete schwedische Suchmaschine „Treehoo“ berichtet werden, jedoch wird diese aus bisher unbekannten Gründen zurzeit als „attackierend gemeldete Webseite“ eingestuft und ist daher im Moment nicht erreichbar. Auch diese Suchmaschine investiert einen Teil der Einnahmen für Umweltschutzprojekte zur Rettung und Aufforstung der Wälder in aller Welt, wofür das Unternehmen bereits einige Auszeichnungen erhielt. Wegen des angesprochenen Problems der derzeitigen Erreichbarkeit wird auf ein Link zu dieser Suchmaschine vorerst verzichtet.

Blackle
Wie in jeder Branche gibt es natürlich auch unter den Betreibern von „Öko-Suchmaschinen“ einige Sonderlinge, die mit zum Teil abstrusen Aktionen den Anschein eines ökologisch denkenden Unternehmens erwecken möchten. Ein Beispiel dafür ist „Blackle“, eine von Google unterstützte Suchmaschine, deren Betreiber behaupten, allein durch den schwarzen Hintergrund der Seiten zum Klimaschutz beizutragen. Der Begriff „schwarzes Schaf“ erhält in diesem Fall wörtlichen Bezug, denn dies ist in Zeiten von LCD-Monitoren schlicht Mumpitz. Nähere Informationen dazu gibt es über den folgenden Verweis.
Wer dennoch einmal einen Blick auf Blackle werfen möchte, der kann den folgenden Link nutzen und auch gleich wieder vergessen.

Fazit: Was den Marktanteil von alternativen Suchmaschinen gegenüber den „großen Fischen im Karpfenteich“ betrifft, so ist er mit deutlich unter 1% sehr gering. Allerdings sind seit 2008 schon etliche Millionen EURO zum weltweiten Schutz und der Aufforstung von Wäldern zusammengekommen und es konnten bereits tausende von Tonnen CO2-Emissionen eingespart werden. Was wäre erst möglich, wenn sich ein Branchenriese wie Google am Umwelt- und Klimaschutz beteiligen würde. Bedenkt man wie weit die gesamte IT-Branche von umweltbewusstem Handeln entfernt ist, sollten der Vorstoß und das Engagement der „Öko-Suchmaschinen“ unterstützt werden und trotz aller Kritik im Detail Anerkennung finden. Eine gute Idee mit Potenzial, die das Bewusstsein für das Thema Umwelt- und Klimaschutz fördert.

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